Von denen, die keiner haben wollte

Chronisch kranke und scheue Katzen

Nummer 5 und 6: Bishop und Ahsoka – Teil 2

Wie im vorherigen Eintrag schon erwähnt, verlief Ahsokas Einzug nicht so einfach wie der von Bishop. Sie kam mit zwei offenen Stellen auf dem Rücken zu uns. Unser ganz eigener Dr.-House-Fall.

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Im Tierheim waren schon verschiedene Untersuchungen gemacht worden. Ein Pilz war es nicht (Lupus auch nicht 😉 ). Entweder es war eine Allergie oder ein eosonophiles Granulom. Wir bekamen ein paar zu Jäckchen umfunktionierte Verbandsstücke mit, die Ahsoka am Kratzen hindern sollten. Leider funktionierte das nicht sonderlich gut. Diese improvisierten Jäckchen verrutschten dauernd, oder Ahsoka zog sie sich gleich aus.
Wir wollten ihr erst mal etwas Zeit zum Eingewöhnen geben, bevor wir sie zu unserem Tierarzt schleppten. Aber als sie nach kurzer Zeit eines Nachts so heftig kratzte, dass ich am nächsten Tag Blutspritzer an der Tapete fand, hatte ich die Faxen dicke, packte ich sie ein und brachte sie zum Arzt.

Erst mal bekam sie Cortison, außerdem verschiedene Sprays, die wir auf die Wunde sprühen sollten. Das Cortison half ein bisschen, allerdings nicht so sehr, wie erhofft. Die Sprays dagegen hasste sie so richtig. Ihre Laune wurde immer schlechter. Hatte es am Anfang noch so ausgesehen, als würde sie sich ganz gut in die Gruppe einfügen, begann sie nun, die Kater anzuknurren und wegzutatzen. Sie zog sich auch von uns immer weiter zurück, obwohl sie eigentlich eine sehr kuschelbedürftige Katze war.
Ihre Laune wurde auch dadurch nicht besser, dass wir versuchten, eine Ausschlussdiät mit ihr zu machen. Das war eine Herausforderung für sich. Sie fraß nämlich nur Trockenfutter und die einzige getreidefreie Sorte Sheba, die ich hatte finden können. Mit Futter mit Getreide wollte ich gar nicht erst anfangen. Lockheed wäre wahrscheinlich endgültig zu einer großen, runden Fellkugel geworden.
Eine richtige Ausschlussdiät hätte bedeutet, ihr eine pure Sorte Fleisch zu geben, die sie noch nie zuvor gefressen hatte. Aber es bestand nicht der Hauch einer Chance, das in sie reinzubekommen. Stattdessen fanden wir eine Sorte Allergie-Trockenfutter, die sie fraß, und gaben ihr das. Nur das. Die anderen drei bekamen Futter, dass Ahsoka bereits für unlecker befunden hatte.
Gleichzeitig mussten wir das Cortison absetzen. Die Tabletten waren nämlich nur mithilfe von Dreamies in sie reinzubekommen gewesen.

Trotzdem heilten die offenen Stellen langsam. Wir waren da etwas auf der Spur.
Allerdings heilten sie wirklich elendig langsam. Wahrscheinlich juckten sie auch beim Heilen, und Ahsoka kratzte immer wieder daran herum. Gleichzeitig erreichte ihre Laune einen Tiefpunkt. Keine Leckerlis mehr, gerade so fressbares Futter, doofe Mitbewohner. Selbst Spielen machte ihr schließlich keinen Spaß mehr.
Wir versuchten alles, um die Heilung zu beschleunigen.
Ein Body sorgte dafür, dass sie sich unterm Bett verkroch und wirklich alles anknurrt, was ihr zu nahe kam.
Mehr Sprays sorgten dafür, dass sie uns endgültig fast komplett aus dem Weg ging.
Irgendwann fand ich in einem Forum einen Tipp. Eine amerikanische Firma hatte kleine Plastikkrallenkappen für Katzen erfunden. Eigentlich aus einem weniger erfreulichen Grund: Sie sollten Katzen davon abhalten, die Möbel zu zerkratzen. Wenn man diese Dinger allerdings auf den Hinterpfoten anbringt, können Allergiekatzen sich nicht mehr blutig kratzen.
Das sind sie: Soft Claws.
Endlich gingen die Wunden ganz zu. Ahsoka konnte ein bisschen entspannen.

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Allerdings wurde sie immer unzufriedener mit ihrem Allergiefutter. Irgendwann erwischte ich sie dabei, wie sie vom Futter der anderen das Gelee runterschleckte. Damit hätten wir mit der Ausschlussdiät von vorne anfangen müssen.
Wir hatten inzwischen alle genug, Katzen wie Menschen. Also ließen wir einen Blut-Allergietest machen. Diese Test sind nicht so sicher wie eine Ausschlussdiät und ziemlich teuer, aber das war uns inzwischen egal. Bei dem Test kam heraus, dass Ahsoka gegen Rind, Kartoffeln und diverse Gräser und Kräuter allergisch war.
Katzengras war darunter. Katzengras flog also raus. Es wurde noch mal ein bisschen besser.
Nach und nach gelang es außerdem, sie an Futtersorten zu gewöhnen, die weder Rind noch Kartoffeln enthielten. Erst schleckte sie nur das Gelee, aber als ihr klar wurde, dass die einzige Alternative immer noch das Allergie-Trockenfutter war, das sie langsam wirklich nicht mehr sehen konnte, fraß sie richtig.
Über die Stellen, an denen die Wunden gewesen waren, wuchs langsam Fell.

Nur mit den anderen Katzen klappte es immer noch nicht so richtig. Wir hatten schon länger überlegt, Ahsoka vielleicht ein neues Zuhause zu suchen. Eines mit einer passenden Spielkameradin und ohne Kater, mit deren Raufversuchen sie einfach nicht zurechtkam. Nun wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, mit der Suche anzufangen.
Ich schrieb einen Vermittlungstext.
Und dann wurde es schlagartig besser.
Eine Woche verging, in der es weder Faucherei noch Knurren gab. Dann gab es wieder einen Raufversuch von Katerseite, aber Ahsoka ging deutlich gelassener damit um als zuvor. Sie begann zudem wieder mit großer Begeisterung zu spielen – erst mit Spielzeug, dann mit Hetty, und schließlich jagte sie sogar Lockheed, der mehr als doppelt so groß war wie sie, mit Begeisterung durch die Wohnung.
Es musste wirklich an ihrer Wunde und den ganzen Behandlungen gelegen haben, dass sie so kratzbürtig gewesen war.
Ich löschte den Vermittlungstext wieder.

Inzwischen ist Ahsoka ein kleines, freches Katzentier, das gerne die Sockenschublade ausräumt, einen anschreit, wenn man nicht schnell genug ihren Wünschen nachkommt, und morgens schnurrend auf meinen Haaren tretelt, um daran zu erinnern, dass Mensch nun gefälligst aufstehen und ihr Futter geben sollte. Sie frisst immer noch nur Futter aus Beuteln. Dosenfutter ist offensichtlich eklig. Aber immerhin frisst sie Sachen, von denen sie sich nicht wieder blutig kratzt.

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4 Kommentare zu “Nummer 5 und 6: Bishop und Ahsoka – Teil 2

  1. KeliKa66
    6. April 2015

    Die Süße sieht richtig zufrieden aus, und wenn man es nicht besser wüsste, wie ein kerngesunde Katze mit dem glänzenden schwarzen Lackfellchen 🙂

    BKH Charly ist ja hier der große Allergiker, ständig entdecken wir neue Sachen, die er nicht fressen darf, weil er darauf mit exzessivem Kratzen und Putzen reagiert – da er ein sehr mäkeliger Fresser ist, schaut es leider so aus, das wir auch nicht mal viele Alternativen haben 😦

    Lange haben wir mit Cortison behandelt, bis ich irgendwann genug hatte – ich wollte die Allergien zwar im Griff haben, aber nicht auf Kosten von Leberschäden, die dann irgenwann auftreten würden …

    Nun bekommt er seit ein paar Wochen Xia Tang Tabletten, gefunden in einem Online Shop durch eine Tipp auf einem anderen Katzenblog, ein rein pflanzliches Mittel – und siehe da, die offenen Kratzstellen sind inzwischen verheilt und das weggeputzte Fell an den Flanken wächst langsam wieder nach !

    Wir werden sehen, ob es weiterhin so bleibt !

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    • katzenspielplatz
      6. April 2015

      Vielen Dank für den Tipp. Bei Ahsoka ist es derzeit gut. Aber wenn es mal wieder schlimmer werden sollte, schau ich mir diese Xie Tang Tabletten mal an.
      Sie ist ja auch so eine mäkelige Fresserin. Aber derzeit mag sie die Beutel von Catz Finefood ganz gerne, außerdem Mac’s und dieses Select Gold, das es beim Fressnapf gibt. Generell scheint Futter aus Beuteln besser zu schmecken als das aus Dosen. Das muss irgendwie an der Herstellungsart liegen.

      Ich drücke die Daumen, dass Die Tabletten bei Charly weiter gut helfen.

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  2. mohrblog
    6. April 2015

    Was für ein wunderschöner Blog – bei mir tropfen gerade die Rührungstränchen 😉
    Ich finde es immer ganz großartig, wenn Menschen mit Herzen solchen Sorgenfellchen eine Chance geben und dafür sorgen, dass es ihnen an nix fehlt.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 6. April 2015 von in Ahsoka, Allergie.

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